Küchenfensterblick
Dienstag, 20. Mai 2008
Mal wieder aus dem Fenster sehen
Wenn ich zur Zeit aus dem Fenster sehe (dem in der Küche), dann sieht es wieder aus wie auf dem Bild oben im Blog. Drumherum tobt das Chaos und ich mittendrin - aber dieser Innenhof verströmt ab dem Spätnachmittag etwas unglaublich beruhigendes. Das Licht wird Golden und sanft. Ab und zu kommen Gruppen von Leuten und fangen an zu grillen oder spielen Federball. Andere gesellen sich dazu und unterhalten sich. Plötzlich lebt dann im Sommer der Gedanke der Genossenschaft, zu der auch unsere Wohnung gehört. Das wmoür ich, denn morgen geht es ans nächste Zimmer, das gestrichen werden soll.

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Sonntag, 17. Februar 2008
Das Wichtigste ist ...
Das Wichtigste ist, dass wir das Projekt noch diesen Monat starten, sagt mein Chef.

Das Wichtigste ist, dass wir diese Woche den Urlaub festmachen, nächste Woche die Küche renoviert wird und wir gleich noch den Einkaufszettel besprechen, sagt meine Frau.

Das Wichtigste ist, dass man nicht tot ist, sagte mein Sohn vor einiger Zeit und ich neige dazu, ihm Recht zu geben.

Wenn man eine Familie hat und sich beruflich engagiert (ganz gleich mit wieviel Arbeitszeit), dann kommt man um dieses Gefühl der Zerissenheit nicht herum. Fremdbestimmt scheint man durch die Zeit zu taumeln. Immer eine ToDo-Liste in der Hand, im Kopf, auf dem Schreibtisch oder virtuell hinterlegt, die einen antreibt und nach Aufmerksamkeit und abarbeiten schreit.

Ich flüchte mich dann in den wenigen Minuten eigener Zeit entweder in Romane oder zur Musik. Gestern habe ich das erste Mal seit langem einen freien Abend, nein, eine freie Nacht gehabt. Von 23 bis 2 Uhr habe ich sie entweder in einem speckigen Sessel am Rand der Tanzfläche des Grünen Jägers verbracht, oder auf selbiger. Ich gehörte zu den wenigen Leuten ohne Begleitung und das ermöglichte es mir, meine Umgebung in aller Ruhe zu studieren. Junge Paare in der ersten Verliebtheit, verzeifelte Gruppen junger Männer, ähnlich verzweifelte Gruppen ebenso junger Frauen (beide Gruppen kamen sich nie näher obwohl sie bestimmt das gleiche suchten), ausgelassen Tanzende, angestrengt verkrampft Zappelnde, alle waren da und ich mittendrin oder am Rand.

Natürlich hätte ich mir gewünscht, das Jan Wigger noch mehr alte Sachen spielt, natürlich hätte ein Bier weniger mir gut getan heute Morgen. Trozdem ging es mir gestern mit dem ausgehen ähnlich, wie es mir seit Jahren mit dem Kino geht: Ich gehe auch gerne mal alleine, mit mir.

Das Wichtigste ist nämlich, dass man sich selbst leiden mag.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007
Auf der anderen Seite
Irgendwie war es besonders schön "Auf der anderen Seite" im Hamburger Zeise Kino zu sehen. Weil diese große Nähe zu Fatih Akin in diesem Kino spürbar ist. Weil wahrscheinlich jeder der im Umkreis von ein paar hundert Metern wohnt seine eigene Fatih Geschichte zu erzählen hätte. Weil jeder davon - so wie ich auch - davon erzählen würde, wie gebannt man seinen Geschichten folgt, wie präsent er ist und wie sehr man sich für seinen Erfolg freut.
Altona spielt auch in "Auf der anderen Seite" seine Rolle. Wer sich darauf einläßt kann an ganz vielen Stellen zitate erkennen und vermuten. Spürt, wie sich Freundschaften durch diesen Film ziehen, lose und enge Verbindungen.
Ich hbae hier vor längerem mal über "Die Tochter des Schmieds" von Selim Özdogan geschrieben. Das buch tauch aus gutem Grund auch im Film auf, schlägt eine Brücke zwischen Vater und Sohn, wie es eine Unterhaltung zwischen den beiden nicht könnte.
ich war beeindruckt on der Leichtigkeit des Films, obwohl er nie auf Distanz ging. Manche mögen sich an der Konstruktion stören, mir gefällt gerade das.
Man wäre es cool, wenn er dafür den Oscar bekäme.

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Freitag, 7. September 2007
Meetings
Ab und an muss ich in meinem Job durch die Gegend fliegen, um dann in einer anderen Stadt kluge Sachen zu sagen oder Menschen zu treffen, mit denen ich dann rede. Heute zum Beispiel flog ich von Hamburg nach München und zurück.
Ich finde das anstrengend. Weil alles so schnell ist und so getrieben. Ständig passiert etwas. Man fährt zum Flughafen (oder läßt sich fahren), gibt Karten in Automaten, zeigt Tickets, zieht sich die Schuhe aus und wieder an, setzt sich hin und sehr bald steht man auf und Schlange und im Flugzeug ist auch dauernd was. Und plötzlich ist man ganz wo anders.
Ich habe oft das Gefühl, da kommt ein Teil von mir nicht mit. Der braucht mehr Zeit.
Den Teil habe ich heute irgendwo auf dem Rückflug getroffen und direkt wieder mit nach Hause genommen. Muss jedenfalls so gewesen sein, denn zurück in Hamburg fühlte ich mich wieder ganz.
Morgen geht's wieder in eine andere Stadt. Mit der Bahn diesmal. Da kommt dann nicht nur das Stück Seele mit, sondern auch die Familie. Die passt dann auf, dass ich nicht auseinanderfalle.

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Montag, 25. Juni 2007
Wunschlisten
Als Kind habe ich sehr gerne Wunschlisten geschrieben. Später wurde es dann immer unwahrscheinlicher, dass sie jemand lesen würde. jedenfalls wurden daraus zunehmend Bedarfslisten und die waren dann immer verbunden mit der Frage, wovon das bezahlt werden soll.
Gestern habe ich mich dann als Vorbereitung auf meinen Geburtstag in zwei Wochen mal hingesetzt und eine Kombination aus beidem versucht.
Es wurde dann doch mehr eine Bedarfsliste, weil meine Wünsche (mehr Zeit, mehr Kraft, mehr Geduld) nicht mit Geld zu kaufen sind.
Trotzdem werde ich versuchen, mir einen Wunsch selbst zu erfüllen und eine woche nach meinem Geburtstag in die alte Heimat fahren und versuchen, so viele von damals wie möglich an die uns bekannten und vertrauten Orte zu bekommen.
Für einen Abend wie mit 23 statt mit 33. Nur dass ich Interpol und Arcade Fire im Ohr haben werde und nicht The Verve und Pavement ...

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Freitag, 9. März 2007
Two minute rant
Der Tonfall war unangemessen und der Vorwurf aus der Luft gegriffen. Je länger er darüber nachdachte, desto mehr geriet er in Rage und fragte sich, woher die Gerüchte kamen. Hatte er sich falsch verhalten. Nein. Dazu war er nicht in der Position.
Nach und nach wurde ihm klar, wie viel Heuchlerei in den Vorwürfen steckte. Trotzdem musste er reagieren. Auf einen Vorwurf, der aggressiv, stil- und inhaltslos per Mail kam. Ohne Fragen ohne Raum für Reaktionen. Nicht zu antworten wäre ein Schuldeingeständnis.
Die Antwort auf die Antwort offenbarte viel heiße Luft und wenig Souveränität.
Ein schwaches Bild. Ein Fingerzeig.
No regrets.

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Dienstag, 16. Januar 2007
Männer in Frauenberufen
Ich zählte mich ja lange zur Spezies "Männer in Frauenberufen". Gilt eigentlich nach wie vor wenn ich bedenke, dass ich in einem Büro mit vier Frauen sitze und auch sonst der Anteil des weiblichen Personals hier den des männlichen weit übersteigt.
Ja, das ändert sich je höher man in der Hierarchie schaut. Ja, ich finde das auch falsch und es ärgert mich und das ist ein anderes Thema.
Seit gestern bin ich versucht, mich zusätzlich als "Mann in Frauenkursen" zu bezeichen. Jedenfalls fand ich meine erste Yoga-Stunde allein unter Frauen nicht schlecht. Mein körperlicher Zustand ist noch viel bedenklicher als befürchtet und erwartet. Scheint, dass ich ihn ein wenig aus den Augen verloren habe in den letzten Jahren, meinen Körper.
Nur weil die Hosen noch passen heißt das eben noch lange nicht, dass man fit ist.
Oder wie bei Selim: Passen die Schuhe, vergisst man die Füße
Jedenfalls mal wieder fest vorgenommen, mehr für mich da zu sein. Gestern Abend also gleich den Yoga-Hustensaft der Kursleiterin gebraut:

Eine Tasse Milch
Ein Teil Pfefferkörner
Zwei Teile Ingwer
Fünf Teile Basilikum und
Eine halbe Knoblauchzehe

Alles einmal aufkochen und dann ziehen lassen. Durch ein Sieb damit und dann vor dem schlafen trinken.

Gestern dachte ich noch die Lungenentzündung kommt zurück, heute kein einziges mal Reizhusten.
Nächste Woche gehe ich also wieder Yoga machen. Scheint mir gut zu tun.

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Donnerstag, 30. November 2006
Prickeln
ahhh....
Ich frage mich, ob wohl heute Abend der Champagner dran ist, den ich damals zum 5jährigen Dienstjubiläum bekam....

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Dienstag, 31. Oktober 2006
Arbeit, Freizeit und das Grundeinkommen
Bei Wirres habe ich gerade den sehr ausführlichen Beitrag über die Grundeinkommensdiskussion zwischen Götz Werner und Fritz Kuhn gelesen.
Faszinierende Sache das, die ich schon länger verfolge. Klar, es wäre ein radikaler Wandel des Steuersystems einerseits. Vor allem aber ein radikaler Wandel im Wertedenken unserer Gesellschaft.
Wie schon häufiger geschrieben arbeite ich in Teilzeit. Ich merke immer wieder, wie falsch das Bild meiner Umgebung ist wenn es darum geht, was ich in dieser freien Zeit machen. Und wenn es darum geht was ich dafür (an Opportunitätskosten) bezahle.
Es ist ja nicht so, dass ich nach Hause komme und mich mit einem Buch aufs Sofa lege umFrau und Kindern zuzuschauen, die entspannt und gut gelaunt um mich herumwuseln, um mir abwechselnd Kaffee, Kekse oder meine Pantoffeln zu bringen.
In den Stunden die ich nicht arbeite bin ich damit beschäftigt klassischen Haushaltsaufgaben nachzukommen und mich um meine beiden kleinen Kinder zu kümmern. Mal mit und mal ohne meine Frau. Das ist schön und macht auch Spaß, aber das ist auch anstrengend und aufreibend.
Wenn ich dann Kollegen höre, die mich beneiden, muss ich manchmal fast schon mit dem Kopf schütteln.
Ich kann mich andererseits noch gut erinnern wie vor gut vier Jahren, als es meinem damaligen Arbeitgeber nicht so richtig gut ging, ein Rundschreiben an alle Mitarbeiter ging, ob sich der eine oder andere vorstellen könne für ein paar Monate die Arbeitszeit zu reduzieren, um die Jahreszahlen dadurch so aufzuhübschen, dass es nicht zu Entlassungen im Folgejahr kommen muss (US-Töchter und Managment by Excel lassen grüßen). Von 30 Angestellten an unserem Standort war nur einer dazu bereit. Fazit: Er hatte drei tolle Monate mit verlängerten Wochenenden und am Ende wurden zwei Kollegen nach der Ausbildung nicht übernommen obwohl sie gut waren.
Aber zurück zum Grundeinkommen.
Ich muss zugeben, dass ich das romantisch verklärt sehe. Ich arbeite gerne, ab es nervt mich, dass ich so sehr auf die Zahlen schielen muss. Mein Traum war es schon immer, eine Art Leibrente ausgezahlt zu bekommen und mir mit einer gewissen finaziellen Sicherheit im Rücken zu überlegen, wie ich meine ganz persönlichen Fähigkeiten für mich und die Gesellschaft nutzen kann.
So nutze ich einen Teil dieser Fähigkeiten um Geld zu verdienen und mir fehlt meist die Zeit dafür, die übrigen für mich befriedigend einzusetzen.
Mit einem Grundeinkommen würde ich ja nicht aufhören zu arbeiten. Aber da ich kein Konsummensch bin, bzw. mehr Befriedigung aus einer langsam geschmorten Lammkeule und einem Abend mit Freunden ziehe als aus einer neuen Jacke, einem schnellen Auto oder anderen Lifestylegütern, käme mir ein Grundeinkommen sehr entgegen. Ich will garnicht soviel konsumieren (jedenfalls nicht im Luxusbereich) also muss ich auch weniger Arbeitszeit aufbringen um mir das Leben finanzieren zu können, das ich mir vorstelle.
Die Freiheit, das zu tun was einem Spaß macht (laut meinem Vater das Wichtigste an der Arbeit) beinhaltet soviel Energie (allein schon weil die Motivation intrinischer Natur ist und damit wesentlich stärker als extrinsische Motivationsfaktoren wie Gehalt und Firmenwagen), dass ich mir schon vorstellen kann, dass darauf eine freiere, kreativere und friedlichere Gesellschaft entstehen kann.
Mal ganz abgesehen davon, wie sich dieses Modell auf die Geburtenraten auswirken würde...

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Montag, 16. Oktober 2006
Am Rande
"Liebe Dich selbt und es ist egal wen Du heiratest", so lautet der Titel eines Buches, das hier gerade eben beworben wurde. Nicht von mir wohlgemerkt, denn ganz so egal war mir das nicht damals. Denn ganz gleich wie sehr ich mich selbst liebe (das schwankt ab und an mal) mein Leben verbringe ich dann doch lieber an der Seite von jemandem, der mit mir über die gleichen Sache lacht, Geistesblitze hat und messerscharfe Erkenntnisse (die auch mal schneidend sein dürfen). Man wächst dann nicht nur neben- sondern auch mit- und aneinander. Ausserdem finde ich das ganz gut, dass meine Kinder irgendwie Anlagen von uns beiden haben. Auch die doofen von mir (erstmal lethargisch in der Ecke stehen und den anderen beim spielen zugucken bevor dann kurz vor Schluss der eigene Auftritt inszeniert wird...).
Jedenfalls hat mich dieser Buchtitel gerade irgendwie geschockt so kurz nach einer Woche Südengland und der familieren Athmospäre eines wunderbaren Cottages in dem sich irgendwie alle gegenseitig toll fanden und nicht nur ich mich selbst. Man muss seinen Partner hypen hat mal jemand gesagt von dem ich allerdings keine Ahnung habe, ob er wusste wovon er sprach. Ich fahre damit jedenfalls ganz gut...

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